>>Wolfgang Stockhaus

BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT
Planungen und Realisierungen

Die Kulturmagistrale – das Rückgrat der Metropole

Die Anfänge der Entwicklung Berlins von der kleinen Residenzstadt zu einer europäischen Metropole fallen in die Zeit nach Ende des 30jährigen Krieges. Die Rolle Berlins als Festung und als Ziel europäischer Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und der Habsburger Monarchie hatte Stadterweiterungen mit raumgreifenden Planungen nach Westen zur Folge. Innerhalb von 50 Jahren vergrößerte sich die Stadtfläche um das Zweifache. Vor mehr als dreihundert Jahren wurde dann die Verbindungsstraße vom Berliner Schloss zum Charlottenburger Schloss geschaffen. Nach der Wiedervereinigung rückt diese große Verkehrsader für die Gesamtstadt erst wieder in das Bewusstsein der Berliner, das vergessene Rückgrat der Metropole, die wir als “Kulturmagistrale“ (gleichnamiger Titel unseres Buches) bezeichnen.
Bereits 1698 plante Kurfürst Friedrich-Wilhelm III. die Verlängerung der Straße Unter den Linden nach Westen durch den Tiergarten bis zum Schnittpunkt mit der heutigen Schoßstraße, die auf das Schloss Charlottenburg führt, und die heute wie damals als somit älteste und längste Hauptverkehrsader von der Mitte Berlins nach Westen anzusehen ist. Eine weit vorausschauende Planung hatte schon gegen Ende des 17.Jahrhunderts ein We-ge - und Straßensysteme erdacht mit Rondells und Sichtachsen im großen Tiergarten, wie dem großen Stern, auf dem heute die Siegessäule steht.
1705 gründete der erste König in Preußen Friedrich I. eine neue Stadt mit dem bestehenden Lustschlösschen als Kern, nahe dem Dorf Lietzow und nannte sie Charlottenburg. Diese Neugründung war eine der Ursachen für die 300 Jahre andauernde Entwicklung Berlins zur Metropole, beide Städte entwickelten sich aufeinander zu. An dieser Ost-West-Achse entstanden im Osten entlang der Straße Unter den Linden kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen, wie das Zeughaus, heute Deutsches Historisches Museum, die Kommandatur, königliches Palais, das Opernhaus, die königliche Bibliothek, die Staatsbibliothek, die Humboldt Universität und die wesentlichen Botschaften am Pariser Platz. Im Westen, also Charlottenburg, wurde entlang der Magistrale das Polytechnikum, heute TU, das Schiller Theater, die Deutsche Oper, zahlreiche wissenschaftliche Institute und Ämter geschaffen.
Am Kreuzungspunkt der Magistrale, wo die Schloßstraße vom Kaiserdamm abzweigt, soll als markanter Blickpunkt Die Wegmarke als Stahlskulptur errichtet werden. Die komplette Wiederherstellung der historischen Stadtzusammenhänge wird aber erst nach der Fertigstellung des rekonstuierten Berliner Schlosses ablesbar sein.
Kamin im Schlüterbau des Berliner Schlosses Vogelschau um 1880 auf die Kulturmgistrale Das Schloss Charlottenburg Die Kulturmagistrale